Forschung & Studien von Andrea Witkovsky
Studie: Selbstwirksamkeits-Erwartung bei Bulimia nervosa (2003)
Studie: Die Bedeutung der Partnerschaft bei Posttraumatischer Belastungsstörung (2011)
Studien belegen den positiven Einfluss einer gelungenen Paarbeziehung auf psychische Erkrankungen. Patienten mit hohen Partnerschaftszufriedenheitswerten weisen demnach eine deutlich niedrigere psychische Belastung und geringere Depressionswerte auf. Die Ausprägung der Beziehungsqualität kann also eine wichtige Ressource, aber auch einen hohen Belastungsfaktor für die psychische Krankheitsbewältigung darstellen. Dieser Tatsache sollte im psychotherapeutischen Alltag vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt werden. Wenn ein Trauma passiert ist und sich daraus eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickelt, leiden BEIDE Partner. Um hier psychotherapeutisch hilfreich intervenieren zu können, müssen wir die bei „Traumapaaren“ vorliegenden, spezifischen Gegebenheiten und Bedürfnisse verstehen können.
Es sei darauf hingewiesen, dass der Begriff Coping im Folgenden im Sinne von Stress- bzw. Problembewältigung verwendet wird.
Für die Erkenntnisse der o. g. Studie lässt sich zusammenfassen, dass in der Paartherapie BEIDE Partner dabei unterstützt werden müssen, ihren eigenen Stress zu kommunizieren. Nur so haben sie eine reale Chance, einander zu verstehen und sich entsprechend gegenseitig zu unterstützen. Das bedeutet ganz klar, dass der Hauptfokus nicht auf dem Betroffenen alleine liegen soll. Diese wechselseitigen Stressmitteilungen dürfen daher auch nicht als „Jammern“ abgewertet werden, wie das oft von Paaren in Belastungssituationen fehlinterpretiert wird. Es ist die Aufgabe von uns Therapeuten, dies als einen wesentlichen Beitrag zur Paartherapie und somit zur PTBS-Behandlung zu refraimen. Als weiteres Ergebnis der Studie konnte die Unterlassung negativen Copingverhaltens als wesentlicher Faktor zur PTBS-Symptomreduktion identifiziert werden.
Beide Partner sollen in Paargesprächen explizit über die nachweislich schädliche Auswirkung von gereizten, kritischen oder sarkastischen Unterstützungsangeboten informiert werden, auch wenn Reaktionen dieser Art im Beziehungsalltag, in Anbetracht der vorliegenden Belastungen, häufig nachvollziehbar erscheinen. Bagatellisieren der Stresssituation des anderen, schulmeisterliches Verhalten oder inhaltsleere Unterstützungsversuche ohne innerliches Engagement und wahres Interesse sollten somit bewusst vermieden werden.
Gleiches gilt für verlangsamtes, schwerfälliges oder umständliches Bewältigungsverhalten. Wichtig ist, dass die Paare in der Therapie lernen, ihre negativen Verhaltensweisen zu identifizieren und ihre Gefühle bewusst wahrzunehmen, um diese in der Folge in einer konstruktiven Art und Weise einander mitzuteilen. Besonders wesentlich erscheint mir, darauf hinzuweisen, dass verlangsamtes, umständliches Copingverhalten oder oberflächlich anmutende Unterstützungsversuche auch durch die PTBS-Symptombelastung verursacht sein kann!
Diese Information ist für den Partner wichtig, um Fehlbewertungen hinsichtlich dieses Verhaltens des Betroffenen zu erkennen. Es ist aber auch für den PTBS-Betroffenen selbst notwendig, eine Rückmeldung zu bekommen, wie sein Verhalten auf den Partner wirkt und möglicherweise von diesem (fehl-)interpretiert wird.
Für die Nutzung gemeinsamer Problembewältigungsstrategien, wie z. B. ein gemeinsames Abwägen bezüglich der besten Problemlösung, gemeinsame konstruktive Gespräche führen zur Gefühlsberuhigung oder gemeinsam sportliche oder spirituelle Aktivitäten auszuführen, konnte, wenig überraschend, eine Erhöhung der Beziehungsqualität nachgewiesen werden. Interessant ist allerdings der Output beim delegierten Stressbewältigungsverhalten. Damit ist die Übernahme von Tätigkeiten anstelle des Partners gemeint, z. B. für den Partner Einkäufe zu erledigen, Verzicht auf gewisse Aktivitäten, um den anderen Partner zu entlasten oder eine geplante Einladung abzusagen. Diese Unterstützungsform sollte, wenn unbedingt nötig, nur kurzfristig praktiziert werden. Auf längere Sicht würde ein delegiertes Unterstützungsverhalten des Partners die Aufrechterhaltung des Vermeidungsverhaltens des Betroffenen begünstigen.
Diese Befunde belegen eindeutig die Wichtigkeit einer Paartherapie bei PTBS. Für uns Therapeuten bedeuten sie, dass all diese Themen mit BEIDEN Partnern angesprochen werden müssen, um das wechselseitige Verständnis zu erhöhen, den gemeinsamen Informationsstand zu vergrößern und somit die Beziehungsqualität und damit einhergehend die PTBS-Belastung günstig zu beeinflussen.