Forschung & Studien von Andrea Witkovsky

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Folgenden auf eine durchgängige Unterscheidung zwischen der männlichen und der weiblichen Form verzichtet.

Studie: Selbstwirksamkeits-Erwartung bei Bulimia nervosa (2003)

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Konstrukt der „Erwarteten Selbstwirksamkeit“ bei Bulimia nervosa und soll aufzeigen, dass bulimisches Verhalten und dessen Behandlung MEHR ist, als die Therapie einer Essstörung.

Den nächsten Planeten bewohnte ein Säufer. Dieser Besuch war sehr kurz, aber er tauchte den kleinen Prinzen in eine tiefe Schwermut. „Was machst Du da?“ fragte er den Säufer, den er stumm vor einer Reihe leerer und einer Reihe voller Flaschen sitzend antraf.

„Ich trinke“, antwortete der Säufer mit düsterer Miene. „Warum trinkst Du?“, fragte ihn der kleine Prinz. „Um zu vergessen“, antwortete der Säufer. „Um was zu vergessen?“ erkundigte sich der kleine Prinz, der ihn schon bedauerte. „Um zu vergessen, dass ich mich schäme“, gestand der Säufer und senkte den Kopf. „Weshalb schämst Du Dich?“ fragte der kleine Prinz, der den Wunsch hatte, ihm zu helfen. „Weil ich saufe!“ endete der Säufer und verschloss sich endgültig in sein Schweigen.

Und der kleine Prinz verschwand bestürzt. Die großen Leute sind entschieden sehr, sehr verwunderlich, sagte er zu sich auf seiner Reise.

(Antoine de Saint-Exupéry)

 

Mit dieser Geschichte aus dem Buch „Der Kleine Prinz“ (Antoine de Saint-Exupery, 1981) lässt sich bildhaft und sehr vereinfacht der Einstieg in die Dynamik einer Essstörung beschreiben und es dauert oft viele Jahre, bis sich Betroffene dazu entschließen, fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Bulimia nervosa, auch als "Ess-Brech-Sucht" bekannt, wird in der oben genannten Arbeit ganzheitlich betrachtet insofern, dass dabei nicht nur auf die Symptomatik im engeren Sinn eingegangen wird (essen, erbrechen, kognitive Kontrolle), sondern auch mangelnde Bewältigungsstrategien und die daraus folgende Verschiebung von scheinbar unlösbaren Konflikten auf den Nebenschauplatz Bulimie diskutiert werden.

Selbst-Wirksamkeits-Erwartung beschreibt die Überzeugung eines Menschen, inwieweit er sich selbst in der Lage sieht, ein zur Erreichung eines bestimmten Ziels erforderliches Verhalten erfolgreich auszuführen. Dies gilt insbesondere für Situationen, die neue, unvorhersehbare, schwierige oder stressreiche Elemente enthalten. Es kann angenommen werden, dass eine Stärkung der Selbstwirksamkeitserwartung allgemein und spezifisch einen bedeutenden Beitrag zur Bewältigung psychischer Störungen und somit zur Veränderung bestimmter (Ess-Brech-) bzw. (Konflikt-)Verhaltensweisen leistet und dass daher im Rahmen der psychotherapeutischen Betreuung ein Schwerpunkt auf den Aufbau bzw. die Förderung dieser Kompetenzerwartung gelegt werden sollte.

Mit diesen Überlegungen beschäftigt sich diese Studie. Ihr Ziel ist es, aus den gewonnenen Erkenntnissen Rückschlüsse für die psychotherapeutische Behandlung von Patientinnen mit Bulimia nervosa zu gewinnen und in der Folge die allgemeine und spezifische Selbstwirksamkeitserwartung soweit zu beeinflussen, dass die Patientinnen Verhaltensänderungen in Richtung Gesundheit erfolgreich bewältigen und stabilisieren können. Dieses Vorhaben konnte durch die Ergebnisse bestätigten werden, sowohl die Höhe der Selbstwirksamkeitserwartungswerte als auch die Anzahl der Ess-Brech-Anfälle vor und nach der Therapie haben sich bei der vorliegenden Stichprobe signifikant in Richtung Gesundheit verändert.

Studie: Die Bedeutung der Partnerschaft bei Posttraumatischer Belastungsstörung (2011)

In meiner Tätigkeit als Psychotherapeutin und Paartherapeutin erlebe ich immer wieder, wie sehr eine psychische Erkrankung nicht nur den Betroffenen selbst, sondern auch den Partner schwer belastet. Die hier vorliegende Arbeit setzt sich mit partnerschaftlichem Problembewältigungsverhalten  nach einer erlebten Traumatisierung auseinander und soll neue Perspektiven und Interventionsmöglichkeiten für die psychotherapeutische Behandlung von Menschen, die an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden, und deren PartnerIn, entwickeln helfen.